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Biosphärenreservat Thüringer Wald erhält dritte Unesco-Anerkennung 29.11.2018 


Biosphärenreservat Thüringer Wald erhält dritte Unesco-Anerkennung

 

Olaf Möller & Frauke Druckrey

Die seit 2010 vorbereitete und seit 2016 gelebte Erweiterung des Unesco-Biosphärenreservates Thüringer Wald hat im Juli 2018 seine Anerkennung durch die Unesco erhalten. Am 28. November übergab Dr. Frauke Druckrey vom MAB-Nationalkomitee die Urkunde an Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller in der Verwaltung des Reservates in Schmiedefeld.

Als eines der beiden ältesten Biosphärenreservate Deutschlands hat der Thüringer Wald am 28. November 2018 die Urkunde zur Anerkennung als Unesco-Biosphärenreservat erhalten. Mit diesem wichtigen Dokument anerkennt die Unesco die Erweiterung des Naturschutzgebietes, wie sie seit 2010 geplant und seit 2016 umgesetzt worden ist. 2017 stellte das Biosphärenreservat den Antrag auf Anerkennung bei der Unesco. Im Juli 2018 wurde dem zugestimmt auf einer Konferenz in Indonesien. Nun, am Mittwochabend, konnte Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller die Urkunde von Dr. Frauke Druckrey in der Verwaltung des Reservates in Schmiedefeld bei einem Festakt in Empfang nehmen.

Dr. Frauke Druckrey gehört dem MAB-Nationalkomitee an. 1970 brachte die Unesco das Programm „Man and Biosphere“, zu Deutsch „der Mensch und die Biosphäre“. In Komitees in den einzelnen Ländern sollten zunächst wissenschaftliche Programme als Grundlagen umgesetzt werden. Sie beschäftigten sich mit dem Schutz der Natur und der Lebensräume im Einklang mit den kulturellen Gegebenheiten. Schon neun Jahre später wurden in Deutschland die ersten beiden Biosphärenreservate anerkannt, unter anderem das Vessertal. Schon in den 30er Jahren wurde dies zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Anerkennung als Unesco-Biosphärenreservat war zu DDR-Zeiten für viele in der Umweltarbeit Tätige eine spannende Sache. So erinnerte sich auch Staatsekretär Olaf Möller an die damalige Zeit, als er noch als Schüler in der Umweltbewegung aktiv war.

Die zweite Anerkennung des Vessertals kam 1990. Aus dem wissenschaftlichen Programm war schon lange eine innovative Entwicklung geworden, die mit Blick auf die Nachhaltigkeit eine Strategie aufzeigen sollte, wie Menschen im Einklang mit der Natur ihr Lebensumfeld auf verschiedenen Ebenen gestalten können. Die Nationalkomitees entwickelte viele Kriterien, die erfüllt sein müssen, um Umweltschutz, touristische, wirtschaftliche, kulturelle und pädagogische Entwicklungen zu ermöglichen. In Leitlinien wurden die nationalen Kriterien immer wieder konkretisiert. Unter anderem stand fest, dass es einer bestimmten Größe bedarf, um die geforderte Arbeit in den Naturschutzgebieten zu gewährleisten, mindestens aber 30.000 Hektar. Davon war das Unesco-Biosphärenreservat Vessertal mit knapp der Hälfte weit weg.

Was auch heute die Biosphäre Thüringer Wald auszeichnet, sorgte 2010 dafür, dass viele Akteure sich zusammensetzten und die Erweiterung angingen. Gemeinden, Landkreise, Tourismus, Wirtschaft, das Land und Freunde der Biosphäre kamen zusammen und entwickelten ein tragfähiges Konzept für die Erweiterung, bei der alle Betroffenen mitgenommen werden sollten. Dass dieser Prozess quasi von unten nach oben getragen wurde, habe dafür gesorgt, dass sich die Menschen im Biosphärenreservat mit diesem identifizierten und es mittragen und weiterentwickeln würden. Davon war Dr. Frauke Druckrey überzeugt. „Nur so gelingt das Programm ‚Mensch und Biosphäre‘.“ Sie lobte im Namen des MAB-Nationalkomitees den 2017 vorbildlich formulierten Antrag zur Erweiterung. Sie lobte die Agierenden dahinter und die viele Arbeit, die sie investierten. Sie fand auch viele anerkennende Worte für die Arbeit, die in der Biosphäre geleistet würde. Der Thüringer Wald sei für sie eine Vorbildregion, ein Modell für viele andere. Das sieht auch Olaf Möller so und will die Impulse aus dem Thüringer Wald mitnehmen in den Norden des Freistaates, wo ein weiteres Unesco-Biosphärenreservat im Südharz und Kyffhäuser entstehen soll. Es wäre das dritte in Thüringen von dann 17 in Deutschland.

Dr. Frauke Druckrey begleitete die Anerkennung, besuchte den Thüringer Wald mehrere Male und „war jedes Mal durchgefroren“. Dennoch schwärmte sie von der Landschaft, den Ausführungen der Wanderführer, dem gebotenen Programm. Die Erweiterung für die dritte Anerkennung sei ein wichtiges Signal für das Komitee gewesen. Doch sie sieht noch mehr Potenziale. So seien zwar schon viele Akteure aus allen Bereichen eingebunden, aber warum die Biosphäre nicht noch größer denken, etwa um ein Ballungszentrum oder eine Stadt herum?

Im kommenden Jahr feiert die Biosphäre ihr 40-jähriges Bestehen. Dann muss sie sich auch den Herausforderungen der Zukunft stellen: der demografische Wandel und der Klimawandel. Doch mit dem bisher Erreichten ist sie gut aufgestellt, eine Lösung zu entwickeln. Olaf Möller zählte auf: die Junior-Ranger, die Partner-Initiative, zertifizierte Wanderführer, Genuss-Wochenenden, ein Konzept für den ÖPNV und Elektromobilität, das Rennsteigticket, internationale Partnerschaften, das BNE-Qualitätssiegel (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und vieles mehr. Der Thüringer Wald werde weiter Modellregion bleiben, auch für folgende Generationen. Was also vor 100 Millionen Jahren in der Oberkreide als schmale Scholle und Fernwirkung der Alpenentstehung begann, hat nun das Potenzial ein lebenswerter Raum für Menschen im Einklang mit der Natur zu werden.

V. i. S. d. P. Doreen Huth, Büro Landrätin

 

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